Burnout-Frühverrentungen erreichen Rekordwerte

Mehr Burnout-Fälle

Jobkiller Psychostress

Burnout und psychische Erkrankungen entwickeln sich zur Volkskrankheit: 73 200 Arbeitnehmer gingen im vergangenen Jahr mit dieser Diagnose vorzeitig in Rente. Seit dem Jahr 2000 steigt die Zahl dramatisch. Jetzt will die Regierung stärker gegen Psychostress vorgehen.
Sie wolle „Hand in Hand mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Unfallkassen erarbeiten, welche Programme und Konzepte und konkreten Regeln Belegschaften wirksam vor psychischen Belastungen schützen können“, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der „Welt am Sonntag“. Die Bundesregierung hatte Ende Dezember erstmals durch zwei Änderungen im Arbeitsschutzgesetz klargestellt, dass auch übermäßige psychische Belastungen am Arbeitsplatz ein Gesundheitsrisiko darstellen können.Vor allem in kleineren Unternehmen stehen psychische Erkrankungen nicht auf der Tagesordnung. Laut der Januar-Ausgabe des „Stressmonitors“, der im Auftrag des Arbeitsministeriums erhoben wird und aus dem die „Welt am Sonntag“ zitiert, nehmen sich nur 16 Prozent der Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern des Themas an. Bei Betrieben mit bis zu 49 Mitarbeitern beträgt der Anteil 27 Prozent. „Wir müssen dazu lernen und handeln“, sagte von der Leyen. Wenn das Thema in mittelständischen Firmen wenig Beachtung finde, dann stecke dahinter „kein böser Wille, sondern eher Hilflosigkeit und Unwissen, was zu tun ist. Das gilt vor allem für die kleinen Unternehmen, die in der Regel keinen Betriebsarzt haben“, sagt von der Leyen in der Sonntagszeitung.

Rasanter Anstieg der Erkrankungen seit 2008

Vier von zehn Arbeitnehmern in Deutschland, die vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sind psychisch krank. Das geht aus Statistiken der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervor. Demnach machten im Jahr 2011 rund 41 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Erwerbsminderungsrente beantragten, Depressionen, Angstzustände oder andere psychische Erkrankungen geltend – ein neuer Rekordwert. Im Jahr 2000 hat dieser Anteil bei 24 Prozent gelegen; bis 2010 war er auf 39 Prozent gestiegen.

Psychische Belastung ist für Frauen höher

Frauen sind überproportional betroffen. Laut DRV sind 48 Prozent der Frauen, die arbeitsunfähig werden, psychisch krank; unter Männern erreicht der Anteil 32 Prozent. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, sagte, vor allem die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf in vielen Betrieben mache viele Beschäftigte seelisch krank. „Das erklärt, warum weit häufiger Frauen als Männer aus psychischen Gründen arbeitsunfähig werden“, so Lauterbach. Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund für ein unfreiwilliges vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf – vor Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen.


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Mehr Burnout-Fälle

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Arbeitnehmer werden häufiger krankgeschrieben

Eine Grippewelle und deutlich mehr psychische Erkrankungen sorgen für mehr Ausfälle in deutschen Unternehmen: Der Krankenstand bei den Betriebskrankenkassen ist bereits im fünften Jahr in Folge gestiegen. Laut einer Umfrage wünscht sich jeder zweite Bürger weniger Stress.

Berlin – Arbeitnehmer in Deutschland werden immer häufiger krankgeschrieben. Der Krankenstand bei den Betriebskrankenkassen stieg von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 4 auf 4,2 Prozent im Monatsschnitt. Das geht aus der Statistik des BKK Bundesverbandes hervor. Damit steigt der Wert nun bereits im fünften Jahr kontinuierlich an.

Eine besonders große Rolle an der Zunahme haben psychische Krankheiten und Atemwegserkrankungen. Die Ausfälle wegen psychischer Erkrankungen stiegen in den ersten drei Quartalen um 13,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Von 2004 bis 2010 nahm die Zahl der Tage, an denen Mitarbeiter mit Burnout-Syndrom krankgeschrieben waren, von 4,6 auf 63,2 pro 1000 Kassenmitglieder zu.Passend dazu veröffentlicht das Institut Forsa eine Umfrage, laut der sich die Deutschen im kommenden Jahr vor allem weniger Stress wünschen. Mehr Zeit für Familie und Freunde stehe ganz oben auf der Liste der guten Vorsätze – bei mehr als der Hälfte der Befragten. Die Forsa-Umfrage kam im Auftrag der Krankenkasse DAK zustande.

60 Prozent gaben demnach an, Stress vermeiden oder abbauen zu wollen, 56 Prozent wollen sich mehr Zeit für ihre Liebsten nehmen. An dritter Stelle folgt der Wunsch nach mehr Bewegung und Sport. Lediglich 18 Prozent nehmen sich vor, weniger fernzusehen.

Laut BKK stellen Straßenreiniger und Abfallbeseitiger sowie Gleisbauer mit durchschnittlich 26 Fehltagen pro Jahr die Berufe mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen. Naturwissenschaftler, Hochschullehrer und Rechtsvertreter seien dagegen mit vier Tagen am wenigsten krankgemeldet.

cte/dpa

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Moderner Arbeitsunfall Burnout

Arbeitsunfall Burnout

Arbeitsschutz hui, Gesundheitsschutz pfui!

Burnout Eine aktuelle Studie bescheinigt Deutschland einen guten Arbeitsschutz. Die Zahl der Arbeitsunfälle ist auf einem Tiefstand. Dafür erteilt sie beim Gesundheitsschutz die Note ungenügend: Stress- und verhaltensbedingte Fehlzeiten durch Burnout oder andere Krankheiten nehmen zu. Prominentes Beispiel: Fußballtrainer Ralf Rangnick.

Die Nachricht vom Burnout-Rücktritt von Fußballtrainer Ralf Rangnick traf die Bundesliga überraschend. Weder die Spieler noch die Führungsrige des FC Schalke 04 hatten die Erkrankung bemerkt. Das Beispiel des Fußball-Promis ist kein Einzelfall.

Jährlich entstehen der deutschen Wirtschaft etwa 43 Milliarden Euro Schaden durch Fehlzeiten der Angestellten. Bislang waren die wesentlich durch Arbeitsunfälle bedingt gewesen. Doch das Blatt wendet sich: Verstärkt sind stressbedingte Erkrankungen die Ursache. »Burnout heißt der moderne Arbeitsunfall«, so die aktuelle Studie Arbeitssicherheitsbarometer des Prüfunternehmens, eine Ist-Analyse des Arbeitsschutzes in Deutschland. Mitarbeiter fühlten sich ausgebrannt, leiden an der inneren Kündigung und seien unfähig, ihrer Tätigkeit nachzugehen.

Moderner Arbeitsunfall Burnout

Der Untersuchung zufolge steige der Druck in den Unternehmen, außerdem schenken Betriebe der Gesundheitsprävention ihrer Angestellten einfach zu wenig Aufmerksamkeit. Gesundheitsschutz wird zwar betrieben, an die Wirksamkeit glauben aber nur wenige. Das belegen die Zahlen: Auch wenn 90 Prozent der befragten Unternehmen Schulungen und Workshops zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz durchführen, bewerten nur 70 Prozent diese Maßnahme auch als wirkungsvoll. 84 Prozent der Befragten gaben überdies zu, einen Gesundheitsschutz nur deswegen anzubieten, weil dies gesetzliche Vorschrift sei. Nur 45 Prozent halten aufgehängte Betriebsanweisungen als effektiv, das ist gerade einmal jeder zweite Befragte.

Unsichtbare Gefahr: Stresserkrankungen

Arbeitstechnische Gefahrenquellen lassen sich leichter lokalisieren und entschärfen. Das gilt leider nicht für psychische Stresserkrankungen und andere Krankheiten. Ihre Anzeichen sind nur schwer auszumachen. Sebastian Bartels, Sicherheitsingenieur bei Dekra, sieht hier vor allem Handlungsbedarf bei Chefs und Teamleitern. Seine Empfehlung lautet: Führungskräfte sollten lernen Anzeichen von Burnout frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. »Vorgesetzte sind gefragt, eine Kultur zu etablieren, in der gefördert wird, dass ein Mitarbeiter ernst genommen wird und im Mittelpunkt steht«, so Bartels.

Gesundheitsschutz hilft Kosten einsparen

In Deutschland fehlt jeder Arbeitnehmer laut des Arbeitssicherheitsbarometers 2011 insgesamt 13 Tage im Jahr. Zusammengenommen führt das zu den eingangs genannten wirtschaftlichen Einbußen von 43 Milliarden Euro. Durch jede Fehlzeit, die sich mithilfe gesundheitspräventiver Maßnahmen vermeiden lässt, können Firmen Kosten einsparen.

Laut einer Untersuchung der Felix Burda-Stiftung zahlt sich jeder Euro, den ein Unternehmen in die betriebliche Gesundheitsprävention investiert aus. Der Grund sind sinkende Ausgaben: Sorgt sich ein Unternehmen gut um die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter, verringern sich die Krankheitstage. Die machen insgesamt ein Drittel der Gesamtkosten aus, die Betrieben duch Fehlzeiten enstehen.

Für die Studie wurden mehr als 600 Betriebe in Deutschland befragt.

Text: Dekra Arbeitssicherheitsbarometer 2011, Redaktion arbeitssicherheit.de
Foto: © Yuri Arcurs – Fotolia.com

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